Fast neun von zehn Firmen haben weniger als zehn Beschäftigte
Das Unternehmensregister des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg führt für das Berichtsjahr 2024 im Land Berlin 188.834 rechtliche Einheiten mit Beschäftigten oder Umsatz (Stand des Registers: 30.09.2025). 165.352 davon, also 87,6 Prozent, hatten weniger als zehn abhängig Beschäftigte. Die meisten Einheiten zählt der Abschnitt der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, zu dem etwa Kanzleien, Beratungen, Planungsbüros und Werbeagenturen gehören.
| Wirtschaftsabschnitt | Rechtliche Einheiten 2024 | davon unter 10 Beschäftigte |
|---|---|---|
| Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen | 40.290 | 37.219 |
| Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen | 22.148 | 19.636 |
| Baugewerbe | 14.776 | 12.955 |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 14.573 | 11.154 |
| Information und Kommunikation | 14.089 | 12.094 |
| Kunst, Unterhaltung und Erholung | 13.106 | 12.608 |
| Gastgewerbe | 12.786 | 9.982 |
Noch kleinteiliger ist die Feingliederung: Für kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten zählt das Register 10.818 Einheiten mit zusammen 11.243 abhängig Beschäftigten, für die Herstellung von Filmen und Fernsehprogrammen 1.426 Einheiten mit 5.415.
Die Kammern zählen anders. Zur IHK Berlin gehörten laut ihrem Jahresbericht 2025 rund 335.000 Mitglieder, davon 43 Prozent im Handelsregister eingetragen, der Rest Kleingewerbetreibende. Die Handwerkskammer meldet 29.558 Mitgliedsbetriebe zum 31.12.2024.
Ein Bußgeld der Datenschutz-Aufsicht wegen eines Postfachs ohne zweiten Faktor
Zuständig für den Datenschutz in Firmen ist die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. In ihrem Jahresbericht 2025 schildert sie ein Bußgeld gegen ein Medizinunternehmen. Das Postfach des Geschäftsführers, über das auch Patienten schrieben, war mindestens einen Monat lang per Webmail allein mit Benutzername und Passwort erreichbar. Das Konto wurde kompromittiert, und aus den bestehenden Verläufen gingen Phishing-Nachrichten hinaus.
Die Behörde sah darin einen mittelschweren Verstoß gegen Art. 32 Abs. 1 lit. b DSGVO und hielt mit Blick auf die Empfehlungen des BSI eine stärkere Anmeldung für zumutbar. Erschwerend wertete sie die Gesundheitsdaten, mildernd unter anderem, dass das Unternehmen die Passwörter nach Bekanntwerden des Angriffs sofort geändert hatte. Eine Höhe des Bußgelds nennt der Bericht nicht. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Passwörter sofort ändern kann eine Firma nur, wenn sie weiß, welche Postfächer und Konten es gibt. Liegt der geheime Schlüssel für den Bestätigungscode eines Postfachs im Tresor, ruft jeder Berechtigte den Code dort ab (Bestätigungscodes im Team teilen). Dann liegen Passwort und Code nebeneinander, deshalb gilt am Tresor selbst eine Zwei-Faktor-Pflicht für alle Mitarbeiter. Eigentümer und Administratoren richten den zweiten Faktor selbst ein. Was nach einer Übernahme zu tun ist: Firmen-E-Mail gehackt.
Datenpannen nimmt die Behörde über ein Onlineformular an. Nach Art. 33 DSGVO meldet der Verantwortliche unverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden. Für Gründer und kleine Firmen mit Sitz in Berlin (weniger als 50 Beschäftigte, höchstens 10 Mio. Euro Umsatz oder Bilanzsumme) bietet die Behörde die kostenfreie Schulungsreihe „Starthilfe Datenschutz“ an, ein Block davon gilt technisch-organisatorischen Maßnahmen. Die Termine für 2026 sind vorbei oder ausgebucht, neue standen im Oktober 2026 noch nicht fest.
Hotline des Landes, Polizei und Kammern
Die Digitalagentur Berlin, vollständig aus Mitteln des Landes finanziert, betreibt für Berliner Unternehmen eine kostenfreie Cyberhotline: 0800 360 30 60, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, auch bei bloßem Verdacht. Sie gibt erste Hilfe im IT-Notfall und vermittelt an Fachleute aus ihrem Netzwerk. Vorbeugend bietet ihre Cybersicherheitsstelle kostenfreie Orientierungsgespräche und Workshops an, für den 7. Dezember 2026 etwa eine Cyberwerkstatt zu Passwort- und Kontensicherheit.
Bei Cyberangriffen auf Firmen ist die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für die Wirtschaft (ZAC) im Landeskriminalamt die Anlaufstelle der Polizei. Handwerksbetriebe berät die Handwerkskammer über ihre Beratungsstelle für Innovation und Technologie kostenfrei zur Digitalisierung, außerdem ist sie Transferpartner der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand.
Welche Zugänge die typischen Betriebe teilen
Zur Rechtsberatung zählt das Register 5.023 Einheiten, zu Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Buchführung 3.185. Was Kammern und Gerichte für diese Kanzleien ausmacht, steht auf den Seiten für Anwälte und Steuerberater in der Hauptstadt.
IT-Dienstleistungen erbringen laut Register 9.662 Einheiten, 5.794 davon programmieren. Bei ihnen liegen Cloud-Konten von Kunden, Domains und Repositories. Schnittstellen-Schlüssel gehören in die Geheimnisverwaltung des Systems, das sie nutzt, in den Tresor nur der Zugang zum Dashboard. Mehr dazu auf der Seite für Softwareentwickler.
In der Gastronomie zählt das Register 11.742 Einheiten mit 98.052 abhängig Beschäftigten. Backoffice der Kasse und Reservierungssystem braucht dort vor allem die Schichtleitung, mehr auf der Seite für die Gastronomie.
Beispiel: eine kleine Filmproduktion mit wechselnden Freien
Ein erfundener Fall: Eine Produktionsfirma hat drei feste Leute, die Geschäftsführerin, einen Produktionsleiter und eine Buchhalterin in Teilzeit. Je Dreh kommen zehn bis fünfzehn Freie dazu. Den Zugang zum Cloud-Speicher mit dem Rohmaterial schickte der Produktionsleiter bisher jedem neuen Freien per Messenger, und nach Drehschluss blieb das Passwort, wie es war.
Heute legt die Geschäftsführerin im Tresor für jedes Projekt eine Sammlung an und weist den Produktionsleiter ihr als Manager mit Verwaltungsrecht zu. Darin liegen Cloud-Speicher, Konto beim Kameraverleih, Lizenzportal für Musik. Jeder Freie bekommt ein eigenes Konto, das nur diese Sammlung sieht, ohne Aufpreis. Nach dem Dreh entzieht der Produktionsleiter die Freigaben und setzt das Passwort des Speichers neu. Eine Freigabe nur zum Ausfüllen ginge auch, hält aber niemanden technisch davon ab, das Passwort mit etwas Aufwand herauszufinden.
Domain, Website und das eigene Postfach liegen in einer Sammlung nur für die Geschäftsführerin, das Postfach inzwischen mit zweitem Faktor. Sie ist Eigentümerin der Organisation im Tresor und räumt dem Produktionsleiter einen Notfallzugang ein. Übernimmt er ihr Konto nach der vereinbarten Wartezeit, sieht er alle ihre Sammlungen, deshalb liegt dort nichts, was nur sie selbst nutzen darf. Den Ablauf legen wir bei der Einrichtung fest, Hintergründe im Ratgeber Notfallzugriff auf Firmenpasswörter.
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Anlaufstellen für Firmen in Berlin
| Datenschutz-Aufsicht für Firmen | Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit |
|---|---|
| Polizei bei Cyberangriffen auf Firmen | Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für die Wirtschaft (ZAC) im LKA Berlin |
| Einwohner | 3.700.577 (31.12.2025, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg) |
| IHK | IHK Berlin |
| Handwerkskammer | Handwerkskammer Berlin |
| Hilfe im IT-Notfall | Cyberhotline der Digitalagentur Berlin |
| Rechtliche Einheiten (2024) | 188.834, davon 165.352 mit weniger als 10 Beschäftigten |
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Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Rechtliche Einheiten und Niederlassungen im Land Berlin 2024 (PDF); Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerungsfortschreibung 2025 Berlin; Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit: Jahresbericht 2025; Digitalagentur Berlin: Cyberhotline; IHK Berlin: Jahresbericht 2025, Mitglieder und Budget. Stand: 14.10.2026.