Wo in einem Handwerksbetrieb überall Passwörter stecken
Zum 31.12.2025 standen nach den Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks bundesweit 1.038.126 Betriebe in den Handwerksrollen, von der Tischlerei bis zum Dachdecker. Ihre Zugänge verteilen sich auf Büro, Werkstatt und Fahrzeuge:
- Handwerkersoftware: Angebote, Aufmaß, Auftragsverwaltung, Rechnungen, Zeiterfassung. Dazu oft eine App, mit der Monteure auf der Baustelle Stunden, Material und Fotos erfassen, und ein Administratorkonto für Lizenzen und Einstellungen.
- Onlineshops der Großhändler: ein Kundenkonto je Großhändler für Preise, Verfügbarkeit, Bestellungen und Lieferscheine.
- Firmenhandys und Tablets: Displaysperre, SIM-Karte mit PIN und PUK und das Konto des Geräteherstellers, an das jedes Smartphone gebunden ist.
- Außendarstellung: Domain und Website, das Unternehmensprofil in Suchmaschinen und Kartendiensten, Handwerker- und Bewertungsportale, Seiten in sozialen Netzwerken.
- Behörden, Kammer und Geld: ELSTER und Mein Unternehmenskonto, Portale von Berufsgenossenschaft und Krankenkassen, das Kundenportal der Handwerkskammer, soweit Ihre Kammer eines anbietet.
Gesammelt sind diese Daten selten an einer Stelle. Liegt ein Teil im Browser des Bürorechners und ein Teil in einer Tabelle, finden Sie im Ratgeber Passwörter in Excel oder im Browser, was dabei für einen Betrieb schiefgehen kann.
ELSTER-Organisationszertifikat: eins je Person
Für Mein Unternehmenskonto, das Nutzerkonto für Unternehmen bei Behörden, braucht der Betrieb ein ELSTER-Organisationszertifikat, also eine Datei mit Passwort. Er darf mehrere davon beantragen. Der Antrag läuft über die Steuernummer des Betriebs, und neben einer E-Mail kommt ein Aktivierungsbrief per Post, der laut Zertifikatsleitfaden von Mein Unternehmenskonto (Stand 09/2026) in der Regel etwa fünf Werktage braucht. Einzelunternehmer ohne Organisationszertifikat können sich dort auch mit ihrem persönlichen ELSTER-Zertifikat anmelden.
Jedem Organisationszertifikat ist genau ein Benutzerkonto mit eigenem Postfach zugeordnet. Beantragt eine Mitarbeiterin darüber eine Genehmigung, landet sie in ihrem Postfach, und die Kollegen haben in der Regel keinen Zugriff darauf. Für Post, die mehrere sehen sollen, lassen sich Funktionspostfächer anlegen. Arbeiten Chef und Bürokraft beide mit Behörden, raten wir deshalb zu einem eigenen Zertifikat für jede Person, statt dass alle mit der Datei des Chefs arbeiten.
Ob ein Administrator im Betrieb jederzeit an alle Zertifikate und Postfächer kommen soll, entscheidet laut Leitfaden jedes Unternehmen selbst. Wer sich dafür entscheidet, soll je Zertifikat eine Sicherung aufheben: Name der Person, Benutzername, Kopie der Zertifikatsdatei, Benutzerkonto-ID, hinterlegte E-Mail-Adresse und die Sicherheitsfrage mit Antwort. Diese Angaben legen Sie in eine Sammlung, die nur der Inhaber sieht, die Zertifikatsdatei hängt als Anhang am Eintrag.
Das Onlinebanking legen Sie nicht im Tresor ab, auch nicht im persönlichen Bereich. Die Bankbedingungen verbieten, die Zugangsdaten weiterzugeben, und wer im Betrieb die Kontowiederherstellung bedienen darf, käme sonst daran. Überweisungen geben Sie je nach Bank per App auf einem bestimmten Smartphone, per SMS oder mit einem TAN-Gerät frei. Soll die Bürokraft Zahlungen vorbereiten, fragen Sie Ihre Bank nach einem eigenen Zugang für sie, statt Ihre Anmeldedaten weiterzugeben (siehe Onlinebanking für Mitarbeiter).
Firmenhandys: das Konto, an dem das Gerät hängt
Jedes Smartphone ist mit einem Konto beim Hersteller des Betriebssystems verknüpft, und an diesem Konto hängt eine Diebstahlsperre. Ein geschütztes Android-Gerät lässt sich nach dem Zurücksetzen nur einrichten, wenn man die alte Displaysperre oder das Passwort des Kontos kennt. Bei iPhones schaltet sich die Aktivierungssperre ein, sobald „Wo ist?“ eingerichtet ist, und dann verlangt das Gerät zum Löschen und erneuten Aktivieren das Passwort des verknüpften Kontos. So steht es in den Hilfeseiten beider Hersteller.
Richtet ein Geselle sein Firmenhandy mit seinem privaten Konto ein und kündigt zwei Jahre später, ist das Gerät für den Nachfolger gesperrt. Geben Sie deshalb jedem Firmengerät ein Konto auf eine Adresse des Betriebs und legen Sie dessen Zugangsdaten im Tresor ab. Dazu gehören die PUK der SIM-Karte und die Displaysperre, wenn mehrere Personen dasselbe Gerät nutzen, etwa das Tablet im Werkstattwagen.
Das Kundenportal der Handwerkskammer
Manche Handwerkskammern lassen Ausbildungsbetriebe den Ausbildungsvertrag online anlegen. Bei der Handwerkskammer Halle (Saale) zum Beispiel meldet sich der Betrieb dafür mit den Zugangsdaten, die er von der Kammer bekommen hat, in deren Kundenportal an. Dort verwaltet er im Bereich „Berufsausbildungsverträge“ seine Verträge, legt neue an und lädt bis zu fünf Anhänge hoch. Nach dem Gebührenverzeichnis, das die Kammer am 27.03.2026 veröffentlicht hat, kostet die Eintragung über das Online-System dort 30 €, auf dem Papiervordruck 60 €.
Die Zugangsdaten hat die Kammer dem Betrieb gegeben, nicht einer Person. Liegen sie im Tresor, findet sie auch die Meisterin, wenn sie im nächsten Jahr den Vertrag für den neuen Azubi anlegt. Ob Ihre Kammer ein solches Portal hat und ob es mehrere Benutzer je Betrieb zulässt, erfahren Sie bei Ihrer Kammer.
Sammlungen für Büro, Werkstatt und Baustelle
Im Tresor ordnen Sie Zugänge in Sammlungen und legen für jede fest, wer sie sieht. Im Handwerk trennen Sie am besten nach dem Ort der Arbeit. Die Monteure brauchen unterwegs wenig, und das soll auf dem Handy schnell zu finden sein. Das Büro braucht mehr, und einiges davon geht nur den Inhaber etwas an.
| Bereich | Typische Zugänge | Wer braucht Zugriff |
|---|---|---|
| Baustelle | App der Handwerkersoftware, WLAN von Werkstatt und Lager, Tablet im Fahrzeug | Gesellen, Monteure, Auszubildende |
| Einkauf | Kundenkonten der Großhändler, Lieferantenportale, Tankkarten-Portal | Meister, Kolonnenführer, Büro |
| Büro und Aufträge | Handwerkersoftware im Büro, Portale von Berufsgenossenschaft und Krankenkassen, Kundenportal der Kammer | Bürokräfte, wer die Ausbildung betreut, Inhaber |
| Außendarstellung | Website, Bewertungsportale, soziale Netzwerke | wer die Pflege übernimmt, Inhaber |
| Geräte | Konten der Firmenhandys, SIM-PUK, Router, Drucker, Telefonanlage | Inhaber, eine Vertretung im Büro |
| Geschäftsführung | Sicherungen der ELSTER-Zertifikate, Domain, Versicherungen | Inhaber |
Den Vorschlag passen wir bei der Einrichtung an Ihren Betrieb an. Das Google-Konto, dem das Unternehmensprofil gehört, kommt mit Passwort und Ersatzcodes in eine Sammlung nur für Inhaber und Vertretung. Wer das Profil pflegt, bekommt dort eine eigene Rolle. Wie Sie Zugangsdaten danach nicht mehr per WhatsApp an die Kolonne schicken, zeigt der Ratgeber Passwörter im Team teilen. Verlangt ein Großhändlershop einen Bestätigungscode aus einer Authenticator-App, lesen Sie im Ratgeber 2FA-Codes im Team teilen, wie Büro und Meister denselben Code abrufen. Am Tresor selbst meldet sich jeder Mitarbeiter mit eigenem Master-Passwort und eigenem zweiten Faktor an, das richten wir als Pflicht ein. Eigentümer und Administratoren richten den zweiten Faktor selbst ein.
Wenn ein Geselle oder ein Azubi geht
Ein Auszubildender besteht die Gesellenprüfung und wechselt den Betrieb, eine Aushilfe war nur für die Saison da, ein Monteur macht sich selbständig. Für die Zugänge sind in jedem dieser Fälle vier Schritte fällig.
- Der Verantwortliche in Ihrem Betrieb sperrt das Konto der Person im Tresor. Der Tresor zeigt, welche Sammlungen sie sehen konnte, und deren Passwörter ändern Sie trotzdem.
- Das Firmenhandy kommt zurück, und Sie prüfen, ob es mit dem Konto des Betriebs angemeldet ist und nicht mit einem privaten.
- Eigene Benutzer in Handwerkersoftware und Großhändlershops deaktivieren Sie dort, wo die Person einen hatte.
- Hatte die Person ein ELSTER-Organisationszertifikat, erstellen Sie in ELSTER unter „Login wieder ermöglichen“ ein neues. Laut Leitfaden werden die bisherigen Zertifikate damit sofort ungültig, die Nachrichten im Postfach bleiben erhalten, und das Benutzerkonto kann an eine andere Person gehen.
Die vollständige Liste für alle übrigen Zugänge steht in der Checkliste, wenn ein Mitarbeiter die Firma verlässt. Was zu tun ist, wenn nicht ein Mitarbeiter, sondern der Inhaber ausfällt, beschreibt der Ratgeber Notfallzugriff auf Firmenpasswörter.
Ein Beispiel: Malerwerkstatt mit drei Kolonnen
Eine erfundene Maler- und Stuckateurwerkstatt mit 14 Leuten: Inhaber, eine angestellte Meisterin, eine Bürokraft, drei Kolonnenführer, sieben Gesellen und ein Auszubildender. Bisher kannte nur der Inhaber alle Zugänge, und die Kolonnenführer bestellten beim Großhändler mit seinem Login.
Nach der Umstellung hat jede Kolonne ihr Tablet mit einem Konto auf eine Adresse der Werkstatt. Gesellen und Azubi sehen nur „Baustelle“, die Kolonnenführer zusätzlich „Einkauf“. Die Meisterin betreut den Azubi und sieht „Büro und Aufträge“ mit dem Zugang zum Kundenportal der Kammer. Die Bürokraft hat ein eigenes ELSTER-Zertifikat, dessen Sicherung in „Geschäftsführung“ liegt. Diese Sammlung sieht nur der Inhaber, er ist Eigentümer der Organisation im Tresor. Für den Fall, dass er ausfällt, bekommt die Meisterin einen Notfallzugang.
Was der Tresor für Ihren Betrieb kostet
Die Wartung kostet 16,99 € im Monat inkl. MwSt., egal ob fünf oder fünfzig Leute im Tresor sind, bei 12 Monaten Mindestlaufzeit. Die Einrichtung ist darin enthalten. Dazu kommt der Server, den Ihr Betrieb direkt bei netcup mietet, ab 3,69 € im Monat inkl. MwSt. Das Angebot gilt nur für Unternehmer. Gesichert wird der Tresor nur mit dem Backup-Paket für 7,99 € im Monat inkl. MwSt. Ohne das Paket sichern wir nicht, und Sie exportieren selbst. Hilfe im Alltag ist nicht im Preis und kostet 74,99 € je Stunde inkl. MwSt., abgerechnet je angefangener Viertelstunde.
Für einzelne Gewerke gibt es eigene Seiten mit den Portalen, die nur dort vorkommen: Passwort-Manager für Elektrobetriebe und Passwort-Manager für SHK-Betriebe. Ob der Tresor zu Ihrem Betrieb passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch (15 Minuten) am Telefon oder per Video.
Anlaufstellen
| ELSTER-Organisationszertifikat | Mein Unternehmenskonto |
|---|---|
| Lehrlingsrolle und Ausbildungsverträge | Handwerkskammer Ihres Bezirks |
| Steuerkonto des Betriebs | ELSTER, Ihr Finanzamt |
Quellen: Mein Unternehmenskonto: Zertifikatsleitfaden, Stand 09/2026; ZDH: Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks 2025; Handwerkskammer Halle (Saale): Infoblatt BAV-Online; Handwerkskammer Halle (Saale): Änderung des Gebührenverzeichnisses, März 2026. Stand: 14.10.2026.