Passwortheld

Ratgeber

Cyberversicherung: Fragen zu Passwörtern, Zwei-Faktor und Backup

Was der Muster-Fragebogen des GDV zu Zugängen, Administratorrechten, zweitem Faktor und Datensicherung wissen will, wie die Musterbedingungen daraus Pflichten machen und wie Sie die Fragen ehrlich beantworten.

Stand: 14.10.2026 · Marcel Schönfelder, Schönfelder EDV

Was die Versicherer zu Zugängen und Sicherungen fragen

Welche Fragen im Antrag stehen, legt jeder Versicherer selbst fest. Öffentlich lesbar sind zwei Muster des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): die Musterbedingungen AVB Cyber, Stand Februar 2024, und ein Muster-Fragebogen für kleine und mittlere Unternehmen, Stand Dezember 2019. Beide sind unverbindlich, abweichende Vereinbarungen sind ausdrücklich möglich. Zu Zugängen fragt das Muster: eigene Kennung für jeden Nutzer, technisch erzwungene Mindestanforderungen an Passwörter, Administratorrechte nur für Administratoren, zusätzlicher Schutz für Server und Mobilgeräte, etwa ein zweiter Faktor. Zur Sicherung fragt es nach einer mindestens wöchentlichen Datensicherung, die getrennt aufbewahrt und gegen Veränderung geschützt wird und deren Wiederherstellung Sie regelmäßig testen.

In den Musterbedingungen sind genau diese Punkte als Obliegenheiten formuliert, also als Pflichten Ihrer Firma vor einem Schaden (Klausel A1-16). Ihre Antworten im Antrag fallen unter die vorvertragliche Anzeigepflicht (B3-1). Es gelten immer Ihr eigener Antrag und die Bedingungen Ihres Vertrags.

Hinweis: Dieser Text ist keine Rechts- oder Versicherungsberatung und keine Empfehlung für oder gegen eine Versicherung. Ob Ihre Maßnahmen zu Ihrem Vertrag passen, klären Sie mit Ihrem Versicherer oder Makler.

Die zehn Grundfragen des Muster-Fragebogens

Jede Firma beantwortet im Muster zuerst die zehn Fragen der Kategorie A zu den Obliegenheiten.

Nr.ThemaGemeint ist
A1Individuelle ZugängeJeder Nutzer und jeder Administrator hat eine eigene Kennung mit Passwort
A2PasswortqualitätDie Systeme lassen zu schwache Passwörter gar nicht erst zu
A3AdministratorrechteAdmin-Zugänge nur für Administratoren und nur für Verwaltungsaufgaben
A4Server und MobilgeräteZusätzlicher Schutz, zum Beispiel zweiter Faktor oder Verschlüsselung
A5 bis A8DatensicherungMindestens wöchentlich, getrennt aufbewahrt, gegen Veränderung geschützt, Wiederherstellung getestet
A9SicherheitsupdatesAutomatisch oder zeitnah eingespielt
A10SchadsoftwareSchutz, der sich selbst aktualisiert

Als Antwort sieht das Muster in der Regel nur „Ja, trifft zu“ oder „Nein, nicht zutreffend“ vor. Gibt es bei Ihnen eine Ausnahme, schreiben Sie sie dazu oder fragen Sie den Versicherer, wie er sie verstanden haben will.

Eigene Kennung, Passwortregeln, getrennte Admin-Konten

A1: der gemeinsame Login

Der Fragebogen begründet die Frage nach individuellen Zugängen mit den sogenannten Funktionsaccounts: Teilen sich mehrere Personen an kritischen Stellen einen Login, lässt sich die Verbreitung der Zugangsdaten nicht kontrollieren und nicht stoppen. Für Ihre eigenen IT-Systeme heißt das: Rechner, Mailpostfach, Warenwirtschaft und Server bekommen ein Konto je Person. Wo ein Portal von außen nur ein einziges Firmenkonto kennt, bleibt ein geteilter Zugang. Er gehört dann in eine Sammlung, die nur die Leute sehen, die ihn brauchen, so wie im Ratgeber Passwörter im Team teilen beschrieben. Wie Ihr Versicherer solche Zugänge bewertet, fragen Sie ihn vor der Antwort.

A2: „technisch sichergestellt“

Gefragt ist, ob Ihre Systeme zu schwache Passwörter abweisen, der Fragebogen spricht von „technisch erzwungen“. Ein Passwort-Manager mit Generator erzeugt lange, zufällige Passwörter, setzt aber an der Windows-Anmeldung oder am Postfach keine Regel durch. Dafür braucht es die Einstellung in der Verwaltung der Benutzerkonten. Welche Mindestlänge sinnvoll ist, steht in der Passwortrichtlinie nach BSI.

A3: Administrator nur zum Verwalten

Der Muster-Fragebogen nennt es bewährte Praxis, die tägliche Arbeit mit weniger berechtigten Konten zu erledigen. Wer als Inhaber am eigenen Rechner dauerhaft mit Administratorrechten arbeitet, kann A3 nicht mit „trifft zu“ beantworten. Abhilfe ist ein zweites Konto nur für Installationen und Einstellungen. Für Microsoft 365 erklärt die Seite globaler Administrator und Notfallkonto, wie viele Admins eine kleine Firma braucht, für Windows-Rechner die Seite zum lokalen Admin-Kennwort.

Zusätzlicher Schutz: wo der zweite Faktor gemeint ist

Klausel A1-16.1 b der Musterbedingungen verlangt zusätzlichen Schutz gegen unberechtigten Zugriff bei erhöhtem Risiko. Erhöht ist es nach dem Muster bei zwei Gerätearten:

  • Server, die über das Internet erreichbar sind. Der Fragebogen meint damit Geräte, die einen Dienst nach außen anbieten, nicht Arbeitsplatzrechner, die nur ins Internet gehen. Als Beispiele nennen die Muster Firewall, Zwei-Faktor-Authentifizierung und zertifikatsbasierte Anmeldung.
  • Mobilgeräte wie Laptops und Smartphones. Hier nennt der Fragebogen die Vollverschlüsselung der Datenträger obligatorisch, dazu je nach Einsatz Ortung oder Fernlöschung und einen zweiten Faktor für kritische Zugänge.

Der Fragebogen schlägt vor, die Antwort als kleine Tabelle vorzubereiten: Geräte in den Zeilen, Schutzmaßnahmen in den Spalten. Kategorie B fragt zusätzlich, ob der Zugriff aus öffentlichen oder drahtlosen Netzen verschlüsselt läuft. Die Zusatzfragen für vernetzte Produktionsanlagen verlangen Fernzugriff nur mit Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wie Sie den zweiten Faktor Konto für Konto einführen, erklärt der Ratgeber Zwei-Faktor im Unternehmen einführen.

Datensicherung: wöchentlich, getrennt, geschützt, geprüft

Klausel A1-16.1 e verlangt einen mindestens wöchentlichen Sicherungsprozess. Dabei darf kein System und keine Berechtigungsstufe Originale und Kopien zugleich verändern oder löschen können. Als Beispiele nennen die Musterbedingungen eine Sicherungsplatte, die regelmäßig vom Rechner getrennt wird, und Sicherungen über das Netz, die der gesicherte Rechner nicht löschen darf. Den Test der Wiederherstellung verlangt das Muster nach einem festen Turnus.

Eine Sicherung auf ein Netzlaufwerk, auf dem jeder Rechner im Büro schreiben und löschen darf, passt nicht zu dieser Klausel. Verschlüsselt eine Schadsoftware die Rechner, erreicht sie über dieselben Rechte auch die Sicherung. Halten Sie außerdem fest, wann zuletzt jemand eine Datei aus der Sicherung zurückgeholt hat, mit Datum und Namen.

Mehr Fragen bei mehr Umsatz oder heiklen Daten

Wie viele Fragen eine Firma beantwortet, hängt im Muster vor allem am Jahresumsatz. Bis 2 Mio. € bleibt es bei Kategorie A. Bis 5 Mio. € kommt Kategorie B dazu, bis 10 Mio. € Kategorie C. Unabhängig vom Umsatz steigt die Kategorie bei einem Onlineshop auf eigener Infrastruktur, bei sensiblen Daten Dritter, bei Berufsgeheimnissen, bei Betriebsgeheimnissen von Kunden und bei vernetzten Produktionsanlagen. Ein Onlinehändler mit eigenem Shop-Server oder eine Kanzlei mit Berufsgeheimnissen landet also schon mit kleinem Umsatz in einer höheren Stufe, siehe auch die Seiten für Onlinehändler und Anwälte.

Kategorie B fragt unter anderem, ob Zugänge nur bei Bedarf vergeben werden und ob jemand die Admin-Zugänge in festem Turnus auf ihre Notwendigkeit prüft. Kategorie C fragt nach einem schriftlichen IT-Notfall- und Wiederanlaufkonzept mit benannten Verantwortlichen. Was darin zu Zugängen stehen sollte, beschreibt der IT-Notfallplan für kleine Unternehmen.

Ein erfundenes Beispiel aus einem Ingenieurbüro

Ein Büro für Tragwerksplanung mit neun Leuten und 1,4 Mio. € Umsatz bekommt Konstruktionsdaten seiner Auftraggeber. Wegen dieser Betriebsgeheimnisse Dritter beantwortet es nach dem Muster auch die Fragen der Kategorie B. Beim Durchgehen zeigt sich, dass der Inhaber seit Jahren mit dem Administratorkonto arbeitet und die Sicherung auf ein Netzlaufwerk läuft, das jeder Rechner beschreiben darf. Bevor er den Antrag unterschreibt, legt sein IT-Betreuer ihm ein normales Arbeitskonto an und richtet eine zweite Sicherung auf eine Platte ein, die wöchentlich im Wechsel aus dem Büro geht. Mehr zu Zugängen in solchen Büros steht auf der Seite für Ingenieurbüros.

Antworten, die stimmen, und Änderungen danach

Nach Klausel B3-1 der Musterbedingungen muss Ihre Firma alle ihr bekannten Gefahrumstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat. War eine Angabe vorsätzlich falsch, kann er zurücktreten, und auch für die Vergangenheit besteht dann kein Schutz. Bei grober Fahrlässigkeit gilt das Rücktrittsrecht nur, wenn er den Vertrag bei richtiger Angabe gar nicht geschlossen hätte, bei einfacher Fahrlässigkeit oder ohne Verschulden bleibt ihm unter derselben Bedingung die Kündigung mit einem Monat Frist.

Hätte er den Vertrag bei Kenntnis zu anderen Bedingungen geschlossen, kann er bei nicht vorsätzlich falschen Angaben verlangen, dass diese gelten. Alle diese Rechte hat er laut Muster nur, wenn er vorher in einer gesonderten Mitteilung in Textform auf die Folgen hingewiesen hat.

Auch Änderungen nach dem Abschluss zählen. Die Musterbedingungen nennen es Gefahrerhöhung, wenn sich ein Umstand ändert, nach dem vor Vertragsschluss gefragt wurde. Ohne Zustimmung des Versicherers dürfen Sie sie nicht vornehmen, und eine unbemerkte Gefahrerhöhung zeigen Sie unverzüglich an, sobald Sie sie erkennen. Das kann zum Beispiel der zweite Faktor am Fernzugang sein, den jemand für einen Dienstleister „kurz“ abschaltet und dann vergisst.

Für die Obliegenheiten vor einem Schaden regelt Klausel B3-4 die Folgen: Bei vorsätzlicher Verletzung ist der Versicherer frei, bei grob fahrlässiger darf er die Leistung nach der Schwere des Verschuldens kürzen. Er bleibt zur Leistung verpflichtet, wenn Ihre Firma nachweist, dass die Verletzung nicht grob fahrlässig oder für den Schaden nicht ursächlich war, außer bei Arglist.

  1. Den Fragebogen gemeinsam mit der Person ausfüllen, die Ihre IT betreut.
  2. Jede Antwort, bei der Sie zögern, mit einem Satz erläutern statt sie zu raten.
  3. Antrag, Antworten und eine kurze Liste der Einstellungen mit Datum aufheben.
  4. Einmal im Jahr prüfen, ob die Antworten noch stimmen.

Was ein Passwort-Tresor dazu beiträgt

Ein gemeinsamer Tresor ersetzt keine Obliegenheit und sichert keine Leistung des Versicherers. Er hilft bei einzelnen Punkten: Jeder Mitarbeiter hat dort ein eigenes Konto mit eigenem Master-Passwort und eigenem zweiten Faktor, der Generator liefert lange Passwörter, und Admin-Zugänge liegen in einer Sammlung für Geschäftsführung und IT, an die außer ihnen nur Eigentümer und Administratoren der Organisation kommen. Ob NIS2 Ihre Firma oder Ihre Kunden betrifft, ist eine andere Frage, sie steht unter NIS2 und Passwörter.

Der Tresor selbst ist so ein Server, der über das Internet erreichbar ist. Passwortheld richtet ihn mit Zwei-Faktor-Pflicht für alle Mitarbeiter ein: Ein Mitarbeiter sieht die Sammlungen der Firma erst, wenn er einen zweiten Faktor eingerichtet hat, und die Einträge liegen dort Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Eigentümer und Administratoren richten den zweiten Faktor selbst ein. Fragt Ihr Antrag nach IT-Dienstleistern (im Muster Frage E3 und die Zusatzfragen DL), gehören auch der Betreuer des Tresors und der Vermieter des Servers in die Liste. Eine Sicherung gibt es nur mit dem Backup-Paket für 7,99 € im Monat inkl. MwSt.: täglich, verschlüsselt, an einem zweiten Ort bei einem anderen Anbieter in Deutschland, 30 Tage Aufbewahrung, Test der Rücksicherung einmal im Quartal. Das Paket sichert nur den Tresor, nicht Ihre übrigen Daten. Ohne Backup-Paket sichern wir den Tresor nicht, dann sichern Sie ihn selbst.

Für die Wartung zahlen Sie 16,99 € im Monat inkl. MwSt., die Mindestlaufzeit beträgt 12 Monate. Den Server mieten Sie selbst bei netcup, ab 3,69 € im Monat inkl. MwSt. Passwortheld gibt es nur für Unternehmer. Wenn Sie wissen möchten, wie der Tresor zu den Fragen Ihres Antrags passt, sprechen wir darüber im kostenlosen Erstgespräch (15 Minuten).

Quellen: GDV: Musterbedingungen AVB Cyber (PDF, Stand Februar 2024); GDV: Muster-Fragebogen zur Risikoerfassung für kleine und mittelständische Unternehmen (PDF, Stand Dezember 2019); GDV: Übersicht der Musterbedingungen. Stand: 14.10.2026.

Passwortheld: der Firmentresor auf Ihrem eigenen Server

Sie mieten einen kleinen Server bei netcup auf den Namen Ihrer Firma. Wir richten darauf den Tresor ein, halten ihn aktuell und achten darauf, dass er erreichbar bleibt.

Wartung durch Schönfelder EDV

16,99 € pro Monat

inkl. MwSt. · fester Preis, keine Kosten pro Nutzer · 12 Monate Mindestlaufzeit, danach mit einem Monat Frist kündbar · dazu die Servermiete bei netcup ab 3,69 € im Monat

Kostenloses Erstgespräch (15 Minuten)

Nur für Unternehmer. Es gelten die AGB. Preis im Einzelnen

Im Preis sind Einrichtung, Updates und die laufende Prüfung von Erreichbarkeit und Zertifikat. Die tägliche Sicherung gibt es als Zusatzpaket für 7,99 € im Monat inkl. MwSt. Ohne Backup-Paket sichern wir den Tresor nicht. Sie sichern dann selbst, mindestens einmal wöchentlich, außerhalb des Servers. Hilfe im Alltag rechnen wir nach Aufwand ab: 74,99 € je Stunde inkl. MwSt., je angefangener Viertelstunde.

Häufige Fragen

Darf unser IT-Dienstleister den Fragebogen für uns ausfüllen?

Er sollte mithelfen, weil er die Einstellungen kennt. Unterschreiben und verantworten muss die Firma. Schließt ein Vertreter den Vertrag, zählen nach den Musterbedingungen sein Wissen und das der Firma. Dieser Text ist keine Rechts- oder Versicherungsberatung.

Zählt ein Code per SMS als zusätzlicher Schutz?

Die Muster des GDV nennen Zwei-Faktor-Authentifizierung als Beispiel, ohne ein Verfahren vorzuschreiben. Was Ihr Versicherer gelten lässt, fragen Sie ihn. SMS-Codes kann kein Passwort-Tresor empfangen, sie bleiben an die Rufnummer gebunden.

Gilt der Muster-Fragebogen für jede Cyberversicherung?

Nein. Der GDV veröffentlicht ihn als unverbindliches Muster, jeder Versicherer kann eigene Fragen stellen und von den Musterbedingungen abweichen. Lesen Sie deshalb den Antrag und die Bedingungen Ihres Versicherers selbst.

Sichert das Backup-Paket von Passwortheld unsere ganze Firma?

Nein. Das Backup-Paket für 7,99 € im Monat inkl. MwSt. sichert nur den Passwort-Tresor. Für Dateien, Buchhaltung und Mail brauchen Sie eine eigene Sicherung. Ohne Backup-Paket sichern wir auch den Tresor nicht.

Was tun, wenn wir eine Frage nicht sicher mit Ja beantworten können?

Nicht raten. Fragen Sie den Versicherer oder Makler, wie die Frage gemeint ist, und schreiben Sie Ihre Einschränkung dazu. Manche Maßnahme, etwa ein getrenntes Admin-Konto, lässt sich vor dem Abschluss noch einrichten.